Kapitel 13: Amy muss verhört werden. Wird Mike es übers Herz bringen?

Mike und Blanca grübelten über dem

Ishikawa Diagramm

von Rudy Fusars Mord. Mit dem Ishikawa Diagramm versuchten sie die Ursache und Wirkung zu analysieren. Sie erhofften sich damit herauszufinden welche Ereignissezur Ermordung von Rudy Fusar führten und so seinen Mörder zu finden. Was sie bisher wussten: Aron Preston war sein Freund, hat ihm ein frühmals wertvolles Bild geschenkt, es wurde aber nicht gestohlen, scheint also nicht das Motiv gewesen zu sein. Aron Preston selbst tot. Er hatte einen Streit mit seiner Frau, dem wollten sie nochmals nachgehen. Er bekam eine Lieferung von Ramos, der selbst an einer Lieferung arbeitete und nun auch tot war. Das konnte kein Zufall sein. Noah Todd und David Hayden waren Kunden, hatten aber nachweisbare Alibis und kein Motiv. Amy war zur Tatzeit im Haus und hatte Kontakt zu Ramos und Rudy. Es führte kein Weg daran vorbei, sie zu vernehmen. Mike nahm die Bürde auf sich.

Mike hatte Skrupel davor, die alte Freundin Amy zu besuchen. Es war immer unangenehm, wenn man jemanden, den man gut kennt, in welcher Sache auch immer verhören musste. Aber Amy gehörte zu den Verdächtigen, sie hatten sie auf einem der Überwachungsbänder gesehen, als sie im fraglichen Zeitraum das Haus, in dem Rudy Fusar wohnte, betreten hatte.

„Was hattest du dort zu schaffen?“

Mike platzte gleich mit der Tür ins Haus.

Blanca schüttelte nur den Kopf. Und ihr wurde nachgesagt, sie sei zu direkt und wenig empathisch.

„Ramos hatte mich gebeten, ein paar Grundstoffe an den Dealer auszuliefern, da er selbst nicht dazu gekommen war. Er arbeitete selbst an einer Lieferung und hat mich gebeten, den Transport zu übernehmen.

„Na da kommt es jetzt aber sehr gelegen, dass Ramos auch tot ist. War er dein nächstes Opfer?“ Mike wollte Amy keine Sonderbehandlung angedeihen lassen, aber so hart wollte er es auch nicht formulieren. Er sah das Entsetzen in Amys Gesicht.

„Ähm, entschuldige Amy. Hat Rudy noch gelebt, als du bei ihm warst?“ er korrigierte sich.

Ja natürlich. Er hat mir geöffnet, ich hab ihm das Päckchen gegeben. Dann bin ich wieder gegangen. „

kap13-amy.png

„Entschuldige Amy, das verstehe ich nicht.“ Blanca mischte sich ein. Die Kameras zeigen, dass du erst sehr viel später aus dem Haus kommst. Du hast dich sicher eine halbe Stunde darin aufgehalten.

Wenn du nicht bei Rudy warst, was hast du dann noch getan?“

„Ja natürlich, entschuldigt. Ich wollte gleich wieder gehen aber er hat mich eingeladen, sein wunderschönes Bild anzuschauen. Deshalb bin ich kurz eingetreten und hab mir die Geschichte dazu angehört. Das Gemälde ist wunderschön und ich habe mich sehr gefreut, dass er es mir gezeigt hat. Aber er hatte Stress und so gut kannte ich ihn dann auch wieder nicht. Dann erst bin ich wieder gegangen. Verzeiht, ich hab vergessen, die Sache mit dem Bild zu erzählen.“ Amy war es peinlich, das wichtige Detail vergessen zu haben. Sie war erstaunt, wie gut die beiden informiert waren.

„Beschreib uns das Bild. Was hat er dazu gesagt.“ Mike wollte überprüfen, ob Amys Geschichte stimmte.

„Nun“, Amy versuchte sich das Bild in Erinnerung zu rufen. „Es ist ein kleiner Hügel auf der linken Seite, er ist übersät mit roten Blumen. rechts ist ein Feld und eine Frau und ein Kind gehen darin spazieren. Am Horizont sieht man kugelrunde Bäume und ein Haus. Und der blaue Himmel ist voller Wolken.“

Mike und Blanca sahen sich an. Blanca nickte.

Die Beschreibung stimmte überein.

„Du hast noch eine andere Familie links oben vergessen, aber im Großen und Ganzen hast du das wirklich gut beschrieben.“

„Nun, mit dem Eifer, mit dem Ramos das Bild beschreibt, das bleibt einem schon in Erinnerung. Es dürfte früher einmal ein sehr berühmtes Gemälde gewesen sein. Kaum vorstellbar, dass es Landschaften mit so viel Farbe und Licht gab und jemand in der Lage war, das so einzufangen. Es soll aber eine Inspiration zur Abstraktion gewesen sein, also nicht mehr so detaillgetreu zu malen. Die Frau im Vordergrund war angeblich die Frau des Malers.“ Amy schloss. „Mehr weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass Rudy sagte, er versuche immer wieder, dieses rot – grün Spiel nachzumachen, aber bei den wenigen Farben, die er hatte, wagte er nicht zu viele Versuche. Er war knapp davor, es zu schaffen.“

„Nun, Amy, das ist mehr als genug. Wahnsinn, wie viel du dir gemerkt hast. Erstaunlich. Hast du Fragen an uns?“

„Ja, hab ich schon. Ich habe gelesen, das Opfer sei erst erstickt worden und dann sei ihm noch die Kehle durchgeschnitten worden.

Warum macht man sowas? Er muss doch nach dem Ersticken schon tot gewesen sein. Wozu also noch den Hals abschneiden? Habt ihr dafür schon eine Erklärung?“

„Wir dürfen darüber nicht sprechen.“ sagte Blanca.

„Nein, haben wir nicht.“ sagte Mike.

„Ja, das ist seltsam.“ sagte Amy.

„Halte dich verfügbar. Wir suchen noch nach den Mordwaffen. Fürs erste stehst du nicht weiter unter Verdacht, aber es könnte sein, dass wir dich nochmals verhören müssen.“ Mike drückte Amy die Schulter und Amy nickte.

„Alles klar. Dann fahre ich im nächsten Monat eben nicht auf Urlaub.“ Amy zwinkerte Blanca und Mike zu. „Habt ihr noch eine Minute?“ fragte Amy. Mike und Blanca nickten.

„Klar.“

„Ihr habt mich noch nie zu Ramos Mord befragt. Ich weiß, ihr dürft nicht über eure Fortschritte sprechen und ich frage auch gar nicht danach. Aber bevor Ramos getötet wurde, ist etwas seltsames passiert.“ Amy erzählte von ihrem Spaziergang, von dem Verfolgungswahn den Ramos hatte, dem Experiment, das sie gemeinsam machten und dem Typ im schwarzen Outfit, der Ramos so einen Schrecken einjagte.

„Habt ihr eigentlich bei den Zeugenvernahmen von Arian auch etwas von einem Mann mit einem schwarzen Anzug gehört? Vielleicht ist das ja eine Spur, der ihr nachgehen solltet?“

kap13-blanca

Typ im schwarzen Anzug?

Blanca lief es kalt über den Rücken. Sollte das ein Zufall sein? Sie verabschiedeten sich und machten sich auf den Weg zurück ins Office. Blanca begann sofort damit, die Videoaufzeichnungen von Rudy, Arian und Ramos nach einem Mann in schwarzem Anzug zu durchsuchen. Nach einiger Zeit rief sie Mike aufgeregt zu sich.

„Du glaubst ja nicht, was ich eben entdeckt habe.“ Sie zeigte Mike, dass auf jeder Aufzeichnung und nicht nur auf diesen, sondern auf allen Aufzeichnungen der Stadt Typen in schwarezen Outfits zu sehen waren. Die in Häuser reingingen, wieder rausgingen. Die mit den Liften herumfuhren und die auf den Straßen herumhüpften.

„Was soll das? Wer sind die? Was haben die für einen Plan? Komm wir schnappen uns einen. Mich würde ja mal interessieren, was die für eine Geschichte zu erzählen haben.“ Mike verspürte Abenteuerlust. Die Detektivarbeit war nichts für ihn, es zog ihn raus ins Freie.


Helgor wartete vor dem Haus von Amy

auf einen günstigen Moment. Er war ganz aufgeregt, als er Mike und Blanca hineingehen sah und freute sich. Endlich etwas Konstantes. Die Freundschaft zwischen Mike, Blanca und Amy schien noch aufrecht zu sein. Dann erkannte er, dass es ein offizieller Besuch sein musste. Also Polizeiarbeit. Was wollten sie denn von Amy? In was war sie nur verwickelt? Doch er ahnte, dass es etwas mit den 3 Morden zu tun haben musste. Nachdem sie wieder gegangen waren nutzte er den Moment. Er zog sich die Kapuze seiner Jacke tief ins Gesicht, um von den e-eyes nicht erkannt zu werden. Er huschte ins Haus hinein und schnell über die Stiegen rauf zu Amy. Er klopfte. Oft hatte er über diesen Moment nachgedacht. Wie hätte er sie vorwarnen können, ohne Spuren im Netz zu hinterlassen? Er konnte keinen Boten schicken, weil er niemandem vertraute. Er musste selbst kommen und Amy diesen Schock, den sie vermutlich gleich beim Öffnen der Türe haben würde, zumuten.

Amy öffnete.

In der Meinung, Mike und Blanca wären nochmals zurückgekommen, platzte sie zur Tür. „Na, habt ihr was liegen lassen?“ fragte sie, und starrte entsetzt in das Gesicht, das sie im Stiegenhaus anlächelte. Helgor war einen Schritt nach hinten gegangen, als Vorsichtsmaßnahme. Man weiß ja nie.

Amy  hielt sich die Hände vor den Mund. Sie hyperventilierte und Tränen begannen ihr aus den Augen zu schießen. Sie ging zurück in die Wohnung und setzte sich auf einen Stuhl, ließ aber die Türe offen, was Helgor als Zeichen interpretierte, dass er eintreten dürfe.

Amy schluchzte und japste nach Luft.

Er kniete sich zu ihr und hielt ihre Hände. Amy schien sich nicht zu beruhigen und er gab ihr den Tipp in die Hände aus und wieder ein zu atmen, damit sie nicht so viel Kohlendioxid verlor und zur Ruhe kommen konnte. So gelang es dann auch und nach einigen Minuten hatte Amy die Kontrolle wieder zurückerobert.

„Du lebst? Es ist unfassbar. Ich wusste es die ganze Zeit über. Auch wenn sie alle etwas anderes sagten.“ Sie konnte endlich aufstehen und ihn drücken.

Helgor erzählte Amy von seinem genialen Coup auf Kontumaz, wie er seinen eigenen Tod vortäuschte und entkommen konnte.

„Erst wollte ich mich am Schiff verstecken, aber ich wusste nicht, ob ich unseren Freunden trauen konnte. Hatte ich ein Glück, wenn ich denen vertraut hätte, hätten die mich womöglich nochmals verraten.“

Amy bestätigte ihn. Helgor gestand ihr, dass er mittlerweile eingesehen hatte, dass sie zu Recht böse auf ihn waren, da er sie als erstes hintergangen hatte.

„Was wollten eigentlich Blanca und Mike heute bei dir?

Ist alles ok oder bist du in Schwierigkeiten?“

Nun startete Amy ihre Geschichte, erzählte Helgor wie sie sich über Wasser gehalten hatte, was sie alles erlebt hatte und von ihrer intensiven Freundschaft mit Ramos.

„Lief da was zwischen euch? Ich könnte es verstehen, immerhin dachtest du, ich sei tot.“ Helgor log, es war ihm gar nicht egal und er hoffte inständig, dass die Freunde unrecht hatten und Amy nichts mit Ramos hatte. Umso glücklicher machte ihn die Antwort.

„Also erstens solltest du deinen Freund besser kennen. Niemals würde er seine Frau betrügen und schon gar nicht mit der Frau eines Freundes. Und ich würde mir zwar nach einiger Zeit sicher wieder einen Mann suchen, aber doch nicht nach so kurzer und ich war außerdem fest davon überzeugt, dass du wieder kommst. Und Recht hatte ich.“

Sie drückte ihn wieder und wieder und weinte wieder und sie verbrachten den ganzen Abend zusammen.

„Wo wirst du nun unterkommen? Bei mir kannst du nicht bleiben. Wie wird es nun weitergehen?“ fragte Amy unsicher.

„Lass mich nur machen. Ich habe einen super Plan.

Und dieses Mal wird es klappen, denn ich ziehe das alleine durch. Dieses Mal kann mir niemand einen Strich durch die Rechnung machen. Du darfst niemandem sagen, dass wir uns gesehen haben. Sollen sie ruhig alle glauben, dass ich tot bin. Umso größer wird dann die Überraschung. Aber dieses Mal finde ich einen Weg. Und in Kürze kann uns nichts mehr trennen und wir können für immer zusammenbleiben.“

„Wieso musst du so einen großen Plan machen? Komm doch einfach zum richtigen Zeitpunkt zum Boot. Ich hab meinen Platz schon und durch Arians Tod ist nun wieder einer frei geworden. Versteck dich doch einfach die paar Tage noch und sei unauffällig. Dann wird alles gut.“

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„Aufs Boot? Ich will doch nicht aufs Boot.

Ich arbeite daran, dass wir beide hier bleiben können. Hier in Usguard. Und dass wir aus dem Untergrund raus können, hinein in ein legales Leben. Das muss Mina uns gewähren. Und ich weiß, wie ich es anstellen muss, damit sie uns begnadigt und uns alles gibt, was wir haben möchten. Denn ich habe Informationen, die sie benötigt.“

Amy traf es wie ein Schlag. Helgor wollte nicht zurück nach Resterde? Er wollte hierbleiben? Aber sie wollte doch weg? Sie hatte so um ihren Platz am Boot gekämpft.

„Nein. Du kannst doch nicht wieder versuchen, mit Mina in Kontakt zu treten. Du weißt, wie es beim ersten Mal ausgegangen ist. Lass das doch bleiben. Fahren wir doch lieber weg und führen wir auf Resterde ein zufriedenes und glückliches Leben. Hauptsache wir beide haben uns.“

Helgor tätschelte sie. „Keine Sorge. Dieses Mal wird alles anders. Vertrau mir. Schon in Kürze sind wir beide ein angesehenes Paar der Usguarder Society. Wie besprochen. Einfach nichts sagen und normal weitermachen. Ich komme wieder. Ich liebe dich!“

Der Morgen dämmerte bereits und Helgor musste verschwinden. ER zog sich seine dunkle Jacke über, zog die Kapuze wieder ins Gesicht, küsste sie zum Abschied und schlich aus der Wohnung. So unsichtbar wie er gekommen war, verließ er das Haus wieder.

Und Amy blieb verstört und verunsichert zurück.

 

 

 

 

 

 

 

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